Religion in Frankreich

 

Es ist recht schwierig, das Geburtsdatum Frankreichs festzulegen: Ist es das Jahr 496 mit der Taufe des Königs der Franken, Chlodwig, oder das Jahr 987 mit der Krönung von Hugo Capet, dem Gründer jenes Herrscherhauses, das neun Jahrhunderte lang das Land regierte, oder das Jahr 1789 mit der Revolution, als Frankreich sich als Nation in einem schon bestehenden Staat erkannte? Durch die Französische Revolution 1789 wurde die mehr als 1'200 Jahre währende Monarchie gestürzt und nach einer Periode des Umbruchs wurde Frankreich nach der Niederlage Napoleons III. im Jahre 1870 eine Republik.

Die Machtzentralisierung der Monarchie und später der Republik führte dazu, dass Paris zum Zentrum des ganzen Landes wurde. Von hier kamen die Regierungsanordnungen, aber auch Innovationen oder Revolutionen nahmen dort ihren Anfang. Noch heute ist dies an der sternförmigen Anordnung der Strassen und Eisenbahnlinien zu erkennen.

Frankreich ist mit seinen ungefähr 63 Millionen Einwohnern ein Land mit katholischer Tradition und Kultur. Bis Mitte der sechziger Jahre war die katholische Kirche eine Institution und 91,7 % der Neugeborenen wurden getauft. Nach einer im März 2003 durchgeführten Umfrage sind die meisten Franzosen noch heute katholischen Glaubens (62 %), gefolgt von den Muslimen (6 %), Protestanten (2 %) und Juden (1 %). 26 % der Franzosen erklären, keinem Glauben anzugehören (www.diplomatie.gouv.fr).

Frankreich ist seit 1905 offiziell ein laizistischer Staat, das heisst, Staat und Religionsgemeinschaften sind voneinander getrennt. Da von staatlicher Seite keine Daten über die Religionszugehörigkeit der Einwohner erhoben werden, beruhen alle Angaben über die konfessionelle Zusammensetzung der Bevölkerung auf Schätzungen, Umfragen oder den Angaben der Religionsgemeinschaften selbst und weichen deshalb oft erheblich voneinander ab.

Der Staat garantiert die Gewissensfreiheit und die freie Ausübung der Religion im Rahmen der öffentlichen Ordnung. Der Staat erkennt keine Religion an; er bezahlt weder ihre Würdenträger noch gewährt er ihr finanzielle Subventionen. Nur in den drei Ostprovinzen, Elsass, Lothringen und den Vogesen, gilt nach wie vor das Konkordat von 1801.Trotzdem und aus eher historischen Gründen, aber auch wegen ihrer Grösse, ist die katholische Kirche bevorzugt. Die meisten Privatschulen sind katholisch und werden vom Staat finanziert. Im 16. Jahrhundert wurde auch Frankreich von der Reformation erfasst, doch wurden die Reformierten in den Hugenottenkriegen verfolgt. Viele wurden umgebracht oder vertrieben.

Bemerkenswert ist das Misstrauen gegenüber "Sekten" in Frankreich. Dieser Begriff umfasst völlig unterschiedliche religiöse Gemeinschaften, von protestantischen Kirchen oder den Zeugen Jehovas bis hin zu Scientology oder peudo-esoterischen Grüppchen. Frankreich stand nicht-anerkannten Religionen und neuen religiösen Gruppen stets misstrauisch gegenüber und hat immer wieder versucht, Gesetze gegen sie zu erlassen.

In Frankreich ist die Mission dringend. Im Jahre 2006 gab es in mehreren der 100 Departements weniger als 10 Gemeinden, resp. weniger als 2 Gemeinden pro 100'000 Einwohner. In ganz Frankreich wurden 1'916 evangelische Gemeinden der unterschiedlichsten Denominationen gezählt, verglichen mit 769 Gemeinden im Jahre 1970. Das Ziel ist mindestens 1 Gemeinde pro 10'000 Einwohner, was mehr als 6'000 Gemeinden in ganz Frankreich erfordert.