Geschichte der VFMG

 

Die Vorgeschichte

In den 50er und 60er Jahren des letzten Jahrhunderts entwickelten sich innerhalb des Evangelischen Brüdervereins (EBV) zunehmend auseinanderstrebende Ansichten zur Glaubenspraxis, über die Bedeutung der Aussagen von Fritz Berger, dem Gründer des EBVs, zur Haltung gegenüber andern bibeltreuen Gemeinden resp. Verbänden oder über die Kompetenzen der Verbandsleitung.

Während der 60er Jahre sammelte sich die offene Richtung um Peter Zürcher, einen der Evangelisten aus dem Leitungskreis des EBV. Sein Ziel war die Umgestaltung der hierarchischen Organisation in einen modernen Bund autonomer evangelikaler Gemeinden und der Aufbau einer zeitgemässen Kinder- und Jugendarbeit. Die Auseinandersetzungen in der Leitung des EBV führten 1967 zu seinem Rücktritt von seinem Amt und zum Austritt aus dem EBV. In kürzester Zeit folgten ihm andere Funktionsträger und mit ihnen ganze Gruppen von Mitgliedern und einzelne Gemeinden.

Die Gründung der VFMG

Am 9. Dezember 1967 fand in Dietikon im Kanton Zürich die erste Leitersitzung der neuen Gemein­debewegung statt. 45 Gemeindeverantwortliche aus 20 neu gegründeten Gemeinden waren damals anwesend und gründeten die Vereinigung Freier Missionsgemeinden. Peter Zürcher, der erste Vorsteher der VFMG, prägte als Evangelist den neuen Gemeindeverband ganz entscheidend. Der gewählte Name „Missionsgemeinde" war zugleich Programm und die Missionsarbeit im In- und Ausland erhielt von Anfang an eine hohe Priorität.

Vieles wurde gleichzeitig in Angriff genommen: Die Gründung von autonomen evangelischen Gemeinden in der Deutschschweiz und der Romandie, die Strukturierung des Verbands, der Aufbau einer zeitgemässen Kinder- und Jugendarbeit, die Zeltarbeit durch Übernahme der „Bernischen Zeltmission" von Georg Brinke, die Publikation der Verbandszeitschrift „Christus im Brennpunkt" und die Missionsarbeit in Österreich, die vom Brüderverein übernommen werden konnte.

Die Missionsarbeit der VFMG

Bereits an der Ältestenratssitzung vom 21. September 1968 wurde beschlossen, eine gemeinsam getragene Missionsarbeit zu gründen, die sich auf die Schweiz und die Nachbarländer konzentrieren sollte. Daneben wurden auch Missionare aus unseren Gemeinden unterstützt, die mit WEC oder Wycliff ausreisen wollten. Nach dem Start in Österreich im Vorarlberg wurde schon bald der erste Missionar in Innsbruck im Tirol platziert, später noch weiter im Osten von Österreich. Die Missionsarbeit in Süditalien startete 1971 gemeinsam mit der Arbeit von Erino Dapozzo in Sizilien, machte sich aber bald selbständig. Und 1972 wurde auch in Frankreich in Monistrol gestartet.

Die Arbeit in der Schweiz

Im Inland wuchs der Verband sehr schnell. Es bildeten sich in der Deutschschweiz und der Romandie  autonome evangelische Gemeinden, juristisch gesehen als Vereine organisiert. Daneben wurden in den ersten Jahren auch viele Predigtstationen bedient. Die wenigen von der VFMG angestellten Prediger, welche damals noch keiner Gemeinde fest zugeteilt waren, und die ehrenamtlichen Verkündiger predigten oft an drei verschiedenen Orten pro Sonntag. 1978 wurde ein eigenes Singbuch eingeführt, welches auch über die VFMG hinaus verwendet wurde resp. verwendet wird.

Das soziale Engagement

1974 wurde das Hotel Friedegg in Aeschi gekauft, um ein eigenes Zentrum für gemeinsame Anlässe und Freizeiten zu haben und 1976 das Altersheim Wydenhof, das in den Folgejahren zum Alters- und Pflegeheim um- und ausgebaut wurde, um auch dem diakonischen Auftrag gerecht zu werden.

Nach einem schweren Erdbeben im November 1980 in Süditalien engagierte sich die VFMG in Volturara, einem Bergdorf in der Nähe der Stadt Avellino, in der Aufbauarbeit und gründete dann einen Kindergarten, der bis ins Jahr 2006 geführt resp. unterstützt wurde. In Nicosia wurde kurz darauf das Hilfswerk Il Faro gegründet, welches ledige Mütter mit ihren Kindern aufnahm.

Der Strukturwandel in der Schweiz

Im Gemeindeverband setzte langsam ein Strukturwandel ein: Die vollamtlichen Prediger, welche bisher im Reisepredigersystem unterwegs gewesen waren, wurden nun nach und nach Gemeinden zugeteilt und neue Prediger direkt in Gemeinden berufen, auch wenn sie weiterhin durch die VFMG angestellt und administrativ betreut wurden. Trotzdem wurde das Reisepredigersystem wenigstens zum Teil beibehalten, da die von Gemeinden berufenen Prediger weiterhin auch in andern Gemeinden Dienste versehen mussten.

Gegen Ende der 90er Jahre wurde der Strukturwandel aktiv weitergeführt. Die Gemeinden mussten nun die finanzielle Verantwortung für ihre Prediger zum grössten Teil selber übernehmen und jedes Jahr mit der VFMG eine Budgetvereinbarung abschliessen. Bisher war der Ältestenrat das oberste Organ der VFMG, nun wurde die Delegiertenversammlung eingeführt und die Gemeinden konnten auch Frauen als Delegierte wählen. Die VFMG beschränkte sich auf Aufgaben und Leistungen, die besser zentral erledigt werden können. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden durch die VFMG angestellt und administrativ betreut, die Gemeinden werden in der Kinder- und Jugendarbeit, im Bereich Ehe und Familie und in der Diakonie durch die VFMG unterstützt. Der Dachverband ist auch weiterhin für die gemeinsame Missionsarbeit verantwortlich.

Der Strukturwandel in der Missionsarbeit

Aber auch in der Missionsarbeit gab es ab dem Jahr 2000 Veränderungen. Bedingt durch die bilateralen Verträge der Schweiz mit der EU musste auch die Missionsarbeit organisatorisch umgestaltet werden. Die Missionare der VFMG, die bisher in der Schweiz angestellt waren, mussten nun bei Organisationen im Lande selber angestellt werden, die aber zum Teil zuerst gegründet werden mussten.

In Österreich schlossen sich dazu viele der von den VFMG-Missionaren gegründeten Gemeinden mit andern ähnlich gesinnten zum BEG (Bund Evangelikaler Gemeinden) zusammen, in Frankreich wurde ein Zusammenarbeitsvertrag mit dem bereits bestehenden Gemeindeverband France Mission unterschrieben und in Italien schlossen sich die Gemeinden zur UCBC (Unione Chiese Bibliche Cristiane) zusammen. Die VFMG-Missionare in diesen Ländern wurden nun bei den Partnerorganisationen angestellt, finanziell aber noch immer durch die Schweizer Organisation getragen.

Die Zukunft der VFMG

Die bestehenden Strukturen sowohl des Verbands als auch der Gemeinden erlauben es, flexibel auf die Entwicklung der Bedürfnisse und Gegebenheiten zu reagieren, um weiterhin dem Auftrag Jesu in einer sich laufend ändernden Gesellschaft gerecht zu werden. Wenn sich in den vergangenen 40 Jahren auch vieles verändert hat, eines bleibt: „Gehet hin in alle Welt und predigt das Evangelium aller Kreatur!" (Markus-Ev. 16,15). Jesus selber wacht über seine Gemeinde und hat verheissen, dass selbst „die Pforten der Hölle sie nicht überwältigen werden" (Matthäus-Ev. 16,18).